Funktionales vs. dysfunktionales Atemmuster: Was ist das?

Du nimmst heute mal die Treppe statt den Aufzug. Spätestens im dritten Stock keuchst du bedenklich. Obwohl du dich eigentlich für recht fit hältst.

Oder du fährst Rad, trittst kräftig in die Pedale. Schon ein kleiner Hügel (oder für die Norddeutschen: ein bisschen Gegenwind) bringt dich dazu, durch den Mund nach Luft zu schnappen. Obwohl du genau weißt, dass das weder besonders angenehm noch gesund ist.

Ich kenne das nur zu gut, weil es mir vor einigen Jahren, nach meiner Schwangerschaft, genauso ging. Eigentlich fühlte ich mich wieder recht fit, aber ich geriet total leicht außer Atem.

Und auch von meinen Teilnehmerinnen im Atemtraining höre ich es immer wieder: Im Alltag (vor allem bei Belastung) zeigt sich, ob wir ein dysfunktionales Atemmuster haben – vielleicht trotz fittem Körper, gesunder Ernährung und regelmäßigen Entspannungsübungen.

Fakt ist: In unserer modernen Welt sind dysfunktionale Atemmuster weit verbreitet. 

In diesem Artikel zeige ich dir, was das genau bedeutet und wie du für dich herausfinden kannst, ob dein Atemmuster vielleicht eher dysfunktional ist.

Was ist ein dysfunktionales Atemmuster?

Dass der Atem frei, leicht und auf gesunde Weise fließt, ist für die meisten von uns keine Selbstverständlichkeit. Auch wenn das viele glauben und sich wundern, warum sie sich – zusätzlich zu all den anderen überbordenden To-dos – nun auch noch mit so was Selbstverständlichem wie dem Atem beschäftigen sollen. 

Ein dysfunktionales Atemmuster kann sich auf verschiedene Arten zeigen, zum Beispiel:

  • Mundatmung statt Nasenatmung (sehr verbreitet, leider auch bei Kindern)
  • Brustatmung statt Bauch-Zwerchfell-Atmung
  • zu schnelle und/oder zu voluminöse Atemzüge und dadurch chronische Überatmung (Hyperventilation)
  • unregelmäßige Atmung: häufiges unbewusstes Atemanhalten, Gähnen oder Seufzen

Ungute Muster wie diese können auf Dauer die körperliche und psychische Gesundheit beeinträchtigen.

Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Angstzustände, Schwindel, Atemnot, Enge-Gefühle in Brust oder Hals, Muskelverspannungen, Erschöpfung, Schlafstörungen, kalte Hände und Füße sowie Verdauungsbeschwerden durch eine eingeschränkte Zwerchfellbewegung sind nur einige Symptome, die bei dysfunktionaler Atmung auftreten können.

Ein dysfunktionales Atemmuster zu erkennen, ist der erste Schritt, solchen Beschwerden zu begegnen. Dann kannst du gezielt damit beginnen, ein funktionales Atemmuster zu fördern.

Was ist ein funktionales Atemmuster?

Ein funktionales Atemmuster hat diese Merkmale:

  • Nasenatmung: Tagsüber (in Ruhe und ja, auch in Bewegung) und nachts fließt der Atem durch die Nase.
  • Bauch-Zwerchfell-Atmung: Beim Atmen bewegen sich die untersten Rippen nach außen und die Bauchdecke leicht nach vorn.
  • Langsames Atmen: Bei normalen, ruhigen Alltagstätigkeiten sind ca. 8–10 Atemzüge pro Minute (ca. 3 Sekunden einatmen, 3 Sekunden ausatmen) ein gutes Maß. Bei bestimmten funktionalen Atemübungen sind 5–6 Atemzüge pro Minute (ca. 5 Sekunden einatmen, 5 Sekunden ausatmen) zur Regulation des Nervensystems ideal.
  • Leichtes, sanftes Atmen: Keine zu großen, voluminösen Atemzüge zu nehmen, ist wichtig für eine ausgeglichene Biochemie des Bluts. Der Atem darf sanft, subtil und idealerweise lautlos fließen. Das sorgt dafür, dass Sauerstoff gut in Muskeln, Gehirn & Co. aufgenommen werden kann.

Wenn wir auf diese Weise atmen, kann sich ein natürliches Gleichgewicht in der Atemfunktion einstellen. 

Warum ist funktionales Atmen wichtig?

Ein funktionales Atemmuster kann viele positive Auswirkungen auf Körper und Psyche haben:

  • Dein Nervensystem wird reguliert. Stressreaktionen in Körper und Geist reduzieren sich.
  • Das Zwerchfell, dein wichtigster Atemmuskel, arbeitet besser. Dadurch kann sich die Atemkapazität erhöhen.
  • Das biochemische Gleichgewicht von Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut ist optimal.
  • Die Atemluft wird über die Nasenatmung gereinigt, erwärmt und befeuchtet, bevor sie in die Lunge gelangt. Das kann Erkältungen und anderen Atemwegserkrankungen vorbeugen.
  • Deine Schlafqualität kann sich verbessern. Du fühlst dich morgens erholter und hast mehr Energie.
  • Du bist leistungsfähiger beim Sport und fühlst dich insgesamt fitter.
  • Du hast mehr Fokus, mentale Klarheit und eine bessere Konzentrationsfähigkeit.

Natürlich ist funktionales Atmen keine Wunderpille, die – einmal eingeworfen – sofort und für immer wirkt. Um die positiven Wirkungen zu erfahren, ist meist eine Trainingszeit von mehreren Wochen (bis Monaten) nötig.

Wie kannst du funktionales Atmen trainieren?

Um ein funktionales Atemmuster zu etablieren, arbeitest du idealerweise mit einer erfahrenen Atemtrainerin oder einem Atemtrainer. Am besten ist es, mehrmals am Tag 5 bis 10 Minuten fürs Atemtraining zu reservieren.

Dann ist es absolut realistisch, dass du in einigen Wochen spürbare Verbesserungen erlebst. So kannst du ein gesundes, funktionales Atemmuster etablieren, das Körper und Geist einfach guttut.

Dazu ist es im ersten Schritt erst mal sinnvoll, objektiv herauszufinden, wie es um dein Atemmuster steht.

Atemmuster-Selbsttest

Um zu testen, ob dein momentanes Atemmuster eher funktional oder dysfunktional ist, kannst du meinen kostenlosen Atem-Test machen: Wissenschaftlich basiert. Ohne Termin und Wartezeiten, mit PDF direkt zum Runterladen.

Viel Freude und gute Erkenntnisse beim Test wünsche ich dir! 

Deine Alexandra

ÜBER DIE AUTORIN

Autor

Alexandra Pusch

Alexandra Pusch unterstützt aktive Frauen in der Lebensmitte dabei, nach Dauerstress-Belastungen zu einem gut regulierten autonomen Nervensystem zurückzufinden.

Seit 2005 ist Alexandra zertifizierte Atemtrainerin. Sie hat das Fachgebiet "Atmung" auch an der Uni studiert: im M.A.-Studium "Phonetik" an der Universität Trier. Daneben hat sie fundierte Fachweiterbildungen im Bereich Atemtraining/Breathwork absolviert, z.B. Buteyko-Methode, Oxygen Advantage, Yoga-Atmung/Pranayama.

Alexandra bietet einen wissenschaftlich fundierten und zugleich alltagstauglichen Zugang zu Atemtraining, Breathwork und aktiver Entspannung. Als Ausbilderin für Entspannungstrainerinnen und Yogalehrende hat sie seit 2011 zahlreiche Frauen befähigt, die Kraft des bewussten Atems an andere Menschen weiterzugeben.

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